Weichenbau

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Alle Weichen der Anlage im Huserland sind Eigenbauten. Oft werde ich danach gefragt, wie ich das denn anstelle. Am Beispiel einer gerade im Bau befindlichen einfachen Rechtsweiche beschreibe ich hier meine Methode des Weichenbaus.

Ausgangsmaterialien:
Als Schwellen kommen bei mir Stahl-Vierkantrohre
20 x 20 x 2 mm zum Einsatz.
Das 18 mm hohe Schienenmaterial stammt aus der Fabrikation der Firma Walzen Irle aus Netphen Deutz (vielleicht besser bekannt unter dem Namen Dr. von Gumpert).
Die Herzstücke bestehen aus speziell für mich bzw. in der von mir gewünschten Geometrie angefertigten Laserteilen (hier Bogenherzstück).
Für die Weichenzungen verwende ich ca 800 mm lange Flachstähle 18 x 10 mm in die das Zungenprofil eingefräst wird.

Bauart:
Da mir geschraubte Konstruktionen zu aufwendig erschienen und ich auch bezüglich der erreichbaren Festigkeiten auf Holzschwellen meine Zweifel hatte, entschied ich mich für für eine Schweißkonstruktion.

Die Hauptabmessungen der Weiche:
Länge gerader Strang 2,435 m
Radius abzweigendes Gleis 12,5 m
Rechtsweiche mit Bogenherzstück
Weichenwinkel ca 14,0 Grad
Spreizmaß ca.230 mm
Weichenneigung ca 1:4
Zungen: Gelenkschienenzungen

abgelängte Schwellen für die Rechtsweiche
Auflegen der Schwellen auf die Schablone
Alle erforderlichen Schwellen auf der Schablone ausgelegt

Gebaut wird auf einer großen hölzernen Schablone, welche die Außenabmessungen der zu bauenden Weiche aufweist.
Der erste Arbeitsgang ist das Ablängen der Schwellen für die ganze Weiche. Nach dem Entgraten...

...wird die erste Schwelle der Weiche exakt ausgerichtet und mittels Schraubzwinge gehalten. Auf dieser Schwelle befindet sich bei meiner Konstruktion der Bogenanfang des abzweigenden Gleises. Entgegen dem Vorbild verlege ich die Schwellen am Innenbogen ausgerichtet fächerförmig. Dazu verwende ich zwischen die Schwellen eingelegte Abstandshölzer. Die Schwellen lege ich an einen Anschlag am Schablonenrand an...

...und erhalte so eine exakte fächerförmige Ausrichtung der gesamten Schwellenlage. Im abzweigenden Strang verläuft der Fächer bis zum Bogen- bzw. Weichenende. Im geraden Strang wird die letzte Schwelle vor dem Weichenende wieder rechtwinklig zum geraden Strang ausgerichtet.

Aufspannen des innerern Schienenstranges - Bogen Aufspannen des innerern Schienenstranges - Bogen

Am äußeren Anschlag der großen Schablone wird nun eine weitere Schablone auf die Schwellen aufgelegt. Diese sorgt für den gewünschten Überstand der Schwellen zur jetzt angelegten und über diese gebogenen Schiene (innerer Schienenstrang abzweigend).

Mittels Schraubzwingen gut festgespannt kann jetzt diese Schiene auf den Schwellen verschweißt werden. Danach verbleiben die Spannklemmen so lange auf dieser Schiene bis das der äußere Schienenstrang (gerader Zweig) ausgerichtet und angeschweißt ist. Die Ausrichtung des inneren Stranges erfolgt an der geraden Kante der Weichenschablone. Damit diese Schiene auch schön gerade wird liegt sie wiederum an einer Hilfsschablone an.

Ausrichtung und Spannen des inneren Schienenstranges-Gerade
Angeschweißter innerer Schienenstrang-Gerade

Erst jetzt, nachdem innerer und äußerer Schienenstrang verschweißt sind, bleibt die Weiche in ihrer Form. Gespannt werden müssen jetzt nur noch die beiden kurzen Einzelschwellen des abzweigenden Stranges. Außerdem verbleiben ein paar Schraubzwingen um ein verschieben der ganzen Weiche auf der Schablone zu verhindern.

Ausrichtung und Montage des Herzstückes
Angeschweißtes Herzstück

Die äußeren “Fahrkanten” sind jetzt angebracht und es beginnt die Montage der inneren Fahrkanten. Als erstes wird nun von mir das vorgefertigte Herzstück ausgerichtet und verschweißt.

Grundlage für die Abmessungen in diesem Bereich der Weiche bildet die der Entwurf der NEDG-Norm 310, welche z.B. über den DBC-D beziehbar ist.

Montage Fahrschiene im Zweiggleis
Montage Fahrschiene im Stammgleis -Gerade

Ausgehend vom Herzstück werden nun der Außenbogen des abzweigenden und des geraden Stranges montiert. Die Parallelität dieser Schienen kann wieder mittels einer Schablone in der Größe der Spurweite erfolgen oder wie im Bild sichtbar von Schwelle zu Schwelle durch Einmessung mittels Schieblehre eingestellt werden.

Die Außenkannten der Weiche sind fertig
Montage Zwischenschiene -Gerade
Montierte Flügelschiene
Montage Zwischenschiene - gebogen
Radlenker und Herzstück
Radlenker und Herzstück fertig montiert

Man kann bereits erkennen was es werden soll. Auch die beiden kurzen Schwellen am Ende des Bogens sind nun fixiert.
Die Schienenenden der Weichen werden jetzt abgelängt und die Bohrungen für die Schienenverbinder eingebracht.

Im sogenannten “Zwischenschienenteil” der Weiche wird jetzt mit der Montage des geraden Teils des inneren Stranges begonnen. Dieser Schienenstrang endet als Flügelschiene knapp hinter dem Herzstück.

Im Bereich des Herzstückes wird die Flügelschiene leicht abgewinkelt und bildet mit der später noch gegenüber hinzukommenden Flügelschiene des äußeren Schienenstranges (gebogen) den Bereich der Herzstücklücke.

Montage des äußeren Schienenstranges (gebogen). Der innere (gerade) Strang ist bereits aufgeschweißt.
Am Beginn dieser beiden Schienen werden später die Weichenzungen beginnen.
Die Schwelle unterhalb der Schieblehre trägt später dann das Gelenk für die Weichenzungen.

Der fertig montierte Bereich um das Herzstück herum. Gut erkennbar die Herzstücklücke (ca. 50 mm) welche vom Rad überbrückt werden muß.
Ein Herzstückauflauf ist bei den von mir gebauten Weichen nicht vorgesehen.

Nachdem auch die Radlenker an ihrem Platz sind kann der erste Radsatz zur Probefahrt kommen...

Der zweite Teil des Berichtes über den Weichenbau im Huserland wird von der Montage der Zungen und der Stellvorrichtung berichten.

1 = Backenschiene
2 = Weichenzunge
3 = Zwischenschiene
4 = Fahrschiene
5 = Radlenker

6 = Flügelschiene
7 = Herzstück
 

a = äußerer Schienenstrang
 i = innerer Schienenstrang

WA   = Weichenanfang
WM  = Weichenmitte
WE   = Weichenende