Der
Nikolausdampftag war, genauso wie der Wintereinbruch, ein wenig vorweg genommen. Die Anlage hatte eine weiße Decke übergezogen. Nur wenige Zentimeter stark war der Schnee, aber immerhin. Weiße Pracht zum
Nikolausdampf gab es 1998 das letzte Mal.Väterchen Frost sorgte für gut begehbare Wege im Huserland. Nur die Hydraulik an der Lokverladung wollte nicht so recht. Besser gesagt ein kleines
Ventil an dem Mechanismus war ein wenig eingeeist. Zaghafte Feuerzeugflämmchen brachten genauso wenig Ergebnisse, wie wildes Pumpen. Das Pumpen war mit der Hoffnung verbunden, dass sich das Öl dabei erwärmen
würde. Erst die Flamme eines Dachpappenbrenners brachte den ganzen Tag über währende Abhilfe. Bevor sie jetzt meinen, ich wäre nicht recht bei Trost: die Flamme diente nur dazu, die Umgebung des Ventils mit
Strahlungswärme auszustatten und so Dichtungen und Lack der Maschinerie zu schonen.
War am letzten Fahrtag wohl der Dauerregen für die Dampfloks abschreckend, so war es an diesem Tag der Frost.
Auf der Strecke fuhr nur eine einzige Dampflok der Baureihe 81. Das Personal dieser Maschine wollte gerne testen, wie man bei solch schwierigen Verhältnissen mit einer Dampfmaschine zurechtkommt. Das
Ergebnis lautete am Ende des Tages: hervorragend! Den ganzen Tag gefahren und eingefroren waren nur die Füße und die Nase des Lokpersonals.
Für die Besucher gab es zum Aufwärmen heißen Kakao und
oder Glühwein. Wer es an diesem Tage stilecht haben wollte, ließ sich den Glühwein von einer stationären Dampfmaschine in der Scheune erhitzen. Diese Apparatur war auch schon im vorigen Jahr dort aufgebaut
gewesen und sorgte fauchend und zischend für allerlei Unterhaltung. Betrieben wurden mehrere „Dampfmaschinen-Generatorsätze“ für die Lichteffekte, eine Art Dampforgel sorgte für allerlei schauerliche Töne
und die Heizwendel aus Edelstahl wärmte den Glühwein. Da der Abdampf der angeschlossenen Gerätschaften einfach in die Umgebung zischte, herrschte zeitweilig dichter Nebel in Schuppen. Aus allen Ritzen und
Öffnungen der Scheune quoll der Dampfnebel ins Freie.
Neben der Dampfmaschine tat noch eine andere Höllenapparatur dienst in der Scheune. Dort wurde gasgefeuert ein Ölbad erhitzt. Zweck dieser
Übung war die Verköstigung der Huserlandgäste mit deftig leckeren Reibekuchen. Angeblich ist die Husersche Hauskatze auch wieder auf ihre Kosten gekommen (durch Fütterung, nicht durch Raub!). So wurde mir
berichtet. Gesehen hatte ich selber das liebe, aber scheue Tier, den ganzen Tag über nicht.
Zumeist waren auf der Strecke Diesel- oder Elektroloks in Betrieb. Die Dampflok produzierte während
der Fahrt ansehnlich dicke Dampfwolken. Aber durch den Wind waren die recht schnell wieder aufgelöst. Die im Huserland stationierte Dampflok mochte der Besitzer mal wieder nicht anheizen. Ihm war es zu kalt
und die Neigung zum Quatschen zu groß. Der Kamerad wird wohl langsam alt…
Der Nikolaus war auch da! Aber nicht in Menschengestalt, sondern als Elektrolok. Die hatte nämlich eine rote
Nikolausmütze über den Stromabnehmer gestülpt.
Nachmittags setzte dann erst ordentliches Schneetreiben und dann der Fluchtreflex der Besucher ein. Zur Dämmerung war der Platz wieder besucherfrei
und am Abend dann schon völlig eingeschneit.